von Frank Nord (Autor) am

Mit NBA 2k15 legt Entwickler Visual Concepts einen neuen Ableger der beliebten Basketballsimulation vor. Viele Aspekte wurden verbessert, doch auch in diesem Jahr gibt es wieder Probleme mit den Servern. Den Rest kann man kaum besser machen.

Die NBA 2k-Serie ist der unbestrittene Platzhirsch unter den Basketballsimulationen. Im letzten Jahr fuhr NBA 2k14 Bestnoten ein, musste sich aber in Anbetracht schwacher Server starker Kritik stellen. Einige dieser Serverprobleme bestehen fort und können zu einer nervigen Angelegenheit werden. Dank der zahlreichen Verbesserungen und des unfassbar guten Karrieremodus (MyCareer) ist Visual Concepts auch in diesem Jahr ein Volltreffer gelungen.

Eine unfassbare Präsentation

NBA 2k15 sieht atemberaubend aus, was in erster Linie dem flüssigen Gameplay zu verdanken ist, welches mit satten 60 Frames über den Bildschirm kommt. Die Bewegungen der Spieler sind ansatzlos, wirken weich und flüssig und tragen maßgeblich dazu bei, dass das Geschehen authentisch wirkt.

Die Kommentatoren verkürzen euch die Ladezeiten
Die Kommentatoren verkürzen euch die Ladezeiten

Die Wirkung wird noch dadurch unterstützt, dass viele Spieler mit ihren ganz spezifischen Eigenarten implementiert wurden. Da ist Tim Duncan von den San Antonio Spurs, der vor jedem Spiel den Ball umarmt oder Kobe Bryant von den LA Lakers, der sich ständig bei den Schiedsrichtern beschwert, wenn er sich ungerecht behandelt führt. Man merkt, dass Visual Concepts großen Wert auf Details gelegt hat und das zahlt sich aus. Gerade die Topspieler sind aufwendig animiert worden und sehen extrem gut aus, aber auch die anderen Spieler sehen ihren realen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich.

Die Darbietung der Spiele wird modusübergreifend im Stile einer TV-Übertragung dargeboten. Ernie Johnson und Shaquille O’Neil geben eine Aussicht auf das kommende Spiel und beziehen Daten aus den letzten Aufeinandertreffen in ihre Analysen ein. Dieses Vorgehen ist nicht nur toll anzusehen und stärkt die Atmosphäre, sondern tröstet den Spieler auch über die teils langen Ladezeiten hinweg.

Auf dem Parkett, wo es um alles geht, ist NBA 2k15 besser als jemals zuvor, obwohl im Vergleich zum letzten Jahr nur geringfügige, aber notwendige Veränderungen vorgenommen wurde. Die Defensiv-KI wurde stark verbessert und man verliert bei fahrlässigen Aktionen noch schneller den Ball als in vergangenen Ablegern. Eine der besten Ideen ist aber die Implementation einer Wurfanzeige, die dem Spieler direktes Feedback über die Qualität des Wurfes gibt. Somit kann man seine Würfe besser evaluieren, um in Zukunft seine Lehren daraus zu ziehen.

Europa ist mittlerweile auch mit 25 Teams vertreten, was einen Zuwachs von 11 Teams im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Mit von der Partie sind nun unter anderem auch der FC Bayern München und die Brose Baskets aus Bamberg.

Getragen wird die Stimmung von euphorischen Zuschauern, die ihr Team anpeitschen, original Maskottchen und Cheerleadern, die der Menge einheizen. Hinzu kommt ein Kommentar mit derart vielen Sprachvorlagen, dass man nur bei einer sehr langen Spielzeit das Gefühl hat Moderationen doppelt zu hören. Auch im Bereich der Atmosphäre ist NBA 2k15 der Platzhirsch am Markt, denn kein Spiel kann mit seinen Kommentatoren derart Feuer schüren. Die Kommentare sind emotional, den Situationen angemessen und in den Kontext der Saison passend eingeordnet. Gerade in den Playoffs, wenn Rückbezüge auf vergangene Spiele vorgenommen werden, spielt das System seine ganze Stärke aus.

Der große Wurf: "Meine Karriere"-Modus

Auch wenn in NBA 2k15 alle Modi ihre Berechtigung haben und eine Menge Spaß machen, der "Meine Karriere"-Modus sticht noch einmal deutlich heraus. War er bereits im letzten Jahr das absolute Flaggschiff der Serie, wurde er nun in fast allen Bereichen noch einmal deutlichen Änderungen unterzogen. Die meisten Änderungen stärken die Immersion derart, dass man wirklich das Gefühl hat selbst in der NBA aufzusteigen. Auf die wichtigsten Änderungen soll in den folgenden Absätzen kurz eingegangen werden.

Der Editor für den Profi ist ausgereift und umfassend
Der Editor für den Profi ist ausgereift und umfassend

Das neue Mentorensystem sorgt dafür, dass man in jedem Team einen Spieler an die Seite gestellt bekommt, der einem hilft sich an die Spitze zu kämpfen. Im Test spielten wir bei den Charlotte Hornets und bekamen Al Jefferson als persönlichen Berater an die Seite gestellt. Waren unsere Leistungen schlecht, bekamen wir von Al eine ordentliche Ansage. Waren wir bemüht, der Erfolg blieb jedoch aus, baute er uns wieder auf. Visual Concepts und 2k Games konnten für jedes der lizenzierten NBA-Teams einen Spieler gewinnen, der die passenden Texte eingesprochen hat. Toll!

Durch das neue Coaching-System wird die Leistung auf dem Feld in Echtzeit analysiert und bewertet. Man wird nicht länger nur als Teammitglied bewertet, sondern muss auch den Trainer von seiner Leistung überzeugen. Dieses System stellte sich im Test als hartnäckig heraus, denn es reagierte wirklich penibel auf die Aktionen des Spielers. Unser Profi Dirk hatte die Aufgabe, sich nach dem Angriff sofort zurückzuziehen und nicht auf Offensiv-Rebounds zu spekulieren. Eine Missachtung dieser Anweisung führte sofort zu empfindlichen Abzügen in der Gunst des Trainers und somit zu weniger Münzen.

Wer keine Leistung bringt, sitzt schnell wieder auf der Bank
Wer keine Leistung bringt, sitzt schnell wieder auf der Bank

Ebenfalls komplett überarbeitet wurde das Upgrade-System, mit welchen ihr euren Profi aufwerten könnt. Spielt ihr gut mannschaftsdienlich, bekommt ihr nach dem Spiel Münzen auf euer Konto gutgeschrieben , welche ihr zur Professionalisierung eures Profis verwenden könnt. Insgesamt stehen euch allerdings nur eine begrenzte Anzahl Punkte zur Verfügung.

Selbst wenn ihr unendlich Münzen hättet, könntet ihr nur eine bestimmt Anzahl an Upgrades durchführen. Dieses System ist auch sehr sinnvoll, dann dadurch kann man nicht alle Aspekte des Spielers aufwerten, sondern muss sich entscheiden, ob man ihn in allen Aspekten minimal aufwertet oder in einigen Bereichen einen zu einem Experten macht. Die Individualisierung des Charakters war niemals so spezifisch wie in diesem Jahr.

In keinem Sportspiel zuvor hat man den Aufstieg seines Profis derart fiebrig mitverfolgt wie in NBA 2k15. Die Karriere ist beinahe filmisch inszeniert und man durchläuft Höhen und Tiefen, steht mehrfach kurz vor dem Scheitern, um dann wieder von vorne zu beginnen. Die Schwierigkeit des Aufstieges ist ein Grund dafür, dass dieser Modus langfristig motiviert. Zu Beginn der Karriere hat man kaum Skill und nur wenig Ausdauer und selbst wenn man die Steuerung gut beherrscht, wird man sich seinen Platz im Team hart erkämpfen müssen, da der Charakter technisch noch limitiert ist.

Wenn zudem der fragwürdige und schmierige Agent einem sagt, dass kaum ein General Manager an einem interessiert ist und die Zukunft sowie ein Draft von den nächsten drei Spielen abhängen, ist man bis in die Zehenspitzen motiviert.

Wechselgerüchte sorgen schnell für Spannungen im Team
Wechselgerüchte sorgen schnell für Spannungen im Team

Der Star bist (nicht) du

Wie auch in anderen Spielen stellt NBA 2k15 dem Spieler die Möglichkeit zur Verfügung, sein eigenes Gesicht über die Playstation-Kamera oder Microsofts Kinect in das Spiel zu integrieren und den eigenen Profi auch mit dem eigenen Konterfei zu versehen. Die Funktion ist komfortabel, doch leider sind die erzielten Ergebnisse mehr als unbrauchbar. Häufig kann man aus dem Endprodukt nicht einmal ein Gesicht erkennen, was den Spielspaß dann doch sehr ausbremst, wenn man gerne mit dem eigenen Gesicht das Parkett unsicher machen möchte. Es ist aber davon auszugehen, dass Visual Concepts in den kommenden Tagen ein Update bereitstellt, welches dieses Missgeschick behebt.

Hoher Lernkurve – Die Steuerung

An der Steuerung haben die Entwickler nur wenig verändert, was aber auch nicht nötig war. Die Komplexität bleibt somit erhalten und neue Spieler können sich mit dem System schnell überfordert fühlen. Der rechte Analogstick erfüllt dabei je nach Situation gleich mehrere Aufgaben: Pässe, Dunkings, Dribbling und Würfe. Um den Spieler aber mit dieser Komplexität nicht alleine zu lassen, haben NBA-Profis wie zum Beispiel Kevin Durant Tutorials eingesprochen, die man sich im Menü ansehen kann.

Sind die ersten Spiele dann erst einmal überstanden und die grundlegenden Elemente der Steuerung erlernt, kann man sich daran machen das eigene Spiel zu perfektionieren. Denn die Charaktere bewegen sich unheimlich gut und es gibt eine ganze Menge toller Move-Sets, die es zu beherrschen gilt. Hat man die Moves erst einmal verinnerlicht, stehen einem beinahe unendliche Kombinationsmöglichkeiten und Spielzüge zur Verfügung.

Auch das Offensiv-System ist smarter geworden. Nur in seltenen Fällen ist es noch möglich, den Weg durch die Mitte zu wählen und den Ball in den Korb zu befördern. NBA 2k15 belohnt Spieler, die eine Situation bewerten und in Anbetracht dieser Bewertung eine gute Entscheidung treffen können. Wer die Situation evaluieren und die Defensive des Gegners lesen kann sowie die nötigen Bewegungen im Repertoire hat, wird erfolgreich sein.

Steuerung verinnerlicht? Dann sind tolle Moves an der Tagesordnung
Steuerung verinnerlicht? Dann sind tolle Moves an der Tagesordnung

Wer in der Abwehr stabil stehen will, muss in NBA 2k15 umdenken. Das reine Blocken des markierten Gegenspielers reicht in vielen Fällen nicht mehr aus, denn dieser kann mit einem schnellen Move an einem vorbeiziehen und steht somit empfangsbereit für den nächsten Pass unter dem Korb. Will man erfolgreich verteidigen, muss man natürlich den zugewiesenen Spieler im Blick behalten, aber auch alle anderen gegnerischen Spieler. Wie verschieben sie sich? Welche Taktik könnten sie verfolgen? Antizipation spielt eine große Rolle, denn im hektischen Geschehen zählt jede Sekunde.

Die Verteidigung der Elite-Spieler wie LeBron James oder Kevin Durant ist schwer und lässt den Spieler häufig ratlos zurück. Selbst wenn man perfekt steht und die Laufwege zustellt, schiebt sich ein LeBron locker an einem vorbei und hämmert den Ball in den Korb, was sehr frustrierend sein kann.

Fazit

Es gibt kaum eine Serie, welche sich die Anmerkungen und Kritik aus dem Vorjahr so zu Herzen nimmt wie NBA 2k. Visual Concepts ist definitiv eine Next-Gen-Erfahrung gelungen, die sich beinahe aller Fehler und Macken aus dem Vorjahr entledigt hat. In dieser Form ist NBA 2k15 der heißeste Anwärter auf das Sportspiel des Jahres. Der Konkurrenz aus dem Hause EA ist man auch in diesem Jahr weit voraus. Es fällt einem schwer zu glauben, dass man dieses Spielerlebnis noch einmal verbessern kann. Man darf sich auf das nächste Jahr freuen.

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