von Frank Nord (Autor) am

Die Entwickler von Telltale Games haben keine Angst vor großen Namen: The Walking Dead, The Wolf Among Us und nun Game of Thrones. Doch kann das Erfolgskonzept von Telltale auch in einem derart großen Universum wie dem von Game of Thrones funktionieren? Es kann, wenn auch mit leichten Einschränkungen.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt am Abend der Red Wedding, die den Fans der Serie in schauriger Erinnerung sein sollte. Ihr schlüpft zuerst in die Rolle des Knappen Gared, der dem Hause Forrester dient, welches dem Hause Stark den Eid geschworen hatte. Gared bemerkt, dass die Schergen von Walder Frey etwas im Schilde führen und versucht seinen Herren Gregor zu warnen. Doch schon bricht das Chaos und Gared kann seinen Herren noch gerade rechtzeitig erreichen. Ab diesem Zeitpunkt wird eine Welle der Gewalt losgetreten, deren Folgen die Grenzen zwischen Verrat, Loyalität und Eid verschwimmen lassen.

Für Fans der Serie kann vorab eine Entwarnung ausgesprochen werden, denn die Geschichte um das Haus Forrester ist sehr gut in den Plot integriert und stellt für Kenner der Serie ein absolutes Muss dar. Dagegen werden sich Spieler, die nicht mit den Büchern oder dem TV-Format vertraut sind, schnell überfordert fühlen, da man viele Figuren, Orte und Subplots nicht verorten kann.

Wiedersehen mit bekannten Charakteren: Cersei und Tyrion
Wiedersehen mit bekannten Charakteren: Cersei und Tyrion

Wie in den Vorgängern The Walking Dead oder The Wolf Among Us kann der Spieler selbst entscheiden, was für ein Charakter er sein möchte. Gutmensch, Choleriker oder überlegter Stratege? Game of Thrones: Iron from Ice lässt euch die Freiheit dies zu entscheiden. Leider ist die Reaktionszeit für manche Antworten recht kurz. Häufig kommt es vor, dass vier Antworten zur Verfügung stehen und man kaum Zeit hat, sich alle durchzulesen und dann in Ruhe eine Entscheidung zu treffen. Somit wird der Spieler häufig gezwungen eine schnelle Entscheidung zu treffe oder bekommt die Entscheidung im schlimmsten Fall sogar vom Spiel abgenommen.

In einigen Arealen begrenzt das Spiel zu sehr den Handlungsspielraum des Spielers. Es gibt Passagen, in denen man lediglich geradeaus gehen kann, ohne eine Aktion durchführen zu müssen. Trotz aller Einschränkungen hat man das Gefühl aktiv in die Story eingreifen zu können. Auch wenn man an vielen Stellen das Gefühl hat, dass das Spiel einen in eine bestimmte Richtung drängen möchte.

Vielen deutschen Fans wird die fehlende Lokalisation böse aufstoßen. In der Tat ist es ungewöhnlich, dass Telltale seine Spiele nicht lokalisiert. Wer der englischen Sprache gar nicht mächtig ist, wird seine Probleme mit dem Spiel haben. Für alle anderen kann aber Entwarnung gegeben werden, denn die Dialoge sind leicht nachzuvollziehen.

Cerseis Gesicht sieht aus wie ein Klumpen aus Polygonen
Cerseis Gesicht sieht aus wie ein Klumpen aus Polygonen

Ein großer Pluspunkt des Spiels ist das Spannungsfeld zwischen Loyalität und Verrat, welches bereits das TV-Format so erfolgreich macht. Man hat das Gefühl, als hätte George R. R. Martin die Episode selbst geschrieben, so flüssig gliedert sich die Erzählung in den Gesamtplot ein. Ganz der Vorlage folgend, zeigt das Spiel auch keine Angst vor führenden Personen und lässt diese eiskalt über die Klinge springen.

Ein Aspekt, der unbestreitbar deutlich wird, ist, dass die von Telltale verwendete Engine langsam an ihre Grenzen stößt. Musste man sich in The Walking Dead oder The Wolf Among Us mit Comicfiguren auseinandersetzen, deren Darstellung mit der Cel Shading-Technologie problemlos möglich war, sind es in Game of Thrones echte Menschen, die dargestellt werden sollen. Gerade bei Margaery wird ersichtlich, dass die Engine Probleme mit der Darstellung echter Gesichter hat und somit wirkt sie wie zusammengebaut. Tyrion ist ein weiteres Beispiel. Sein Gesicht verschiebt sich bei Nahaufnahmen leicht ineinander, nicht dramatisch, aber doch ziemlich störend.

Im Verlauf der ersten Episode habe ich viele Entscheidungen getroffen, die ich bereue. Dennoch werde ich keinen zweiten Spielstand anfangen, um meine eigene Geschichte zu kreieren. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird man noch nicht absehen können, welche langfristigen Konsequenzen einzelne Entscheidungen haben werden. Man kann sich aber sicher sein, dass die nächsten Episoden Licht ins Dunkel bringen. Und Warnung: Iron from Ice endet mit einem brutalen Cliffhanger, der dafür sorgt, dass man sofort die nächste Episode spielen möchte.

Fazit

Wie bereits zu Beginn dieser Besprechung angeführt, können Fans der Serie bedenkenlos zugreifen. Die originalen Stimmen von Cersei, Tyrion und anderen Charakteren lassen sofort die Stimmung des TV-Formates aufkommen und spätestens beim Einspieler, der gänzlich mit der Telltale Engine nachgebaut wurde, ist Gänsehaut garantiert. Die Story ist toll umgesetzt und lässt auf noch mehr hoffen. Dringende Kaufempfehlung!

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