von Frank Nord (Autor) am

Es ist nur ein Spiel: Ruhig bleiben. Im Gewehr sind genug Kugeln, die Axt ist geschärft. Nur noch diese eine Ecke überwinden und ein neuer Versuch auf den Boss steht kurz bevor. Ein letztes Mal atmen, den Gang um die Ecke wagen und dem Gegner entgegentreten. Der erste Schuss geht daneben, das Adrenalin pumpt durch die Adern. Der zweite Schuss sitzt und auch der kritische Angriff verfehlt sein Ziel nicht. Der Weg zu Vikarin Amelia ist frei. Zum zehnten Mal an diesem Abend.

Nach zwei Tagen intensiven Spielens ist noch immer nicht klar, was die Faszination an Bloodborne ist, aber sie ist unverkennbar vorhanden. In keinem anderen Spiel würde man derart viele Tode hinnehmen und trotzdem immer und immer wieder die gleichen Abschnitte durchkämpfen, um letztendlich doch als Sieger hervorzugehen.

Bloodborne verlangt dem Spieler alles ab und duldet keine unkontrollierten Bewegungen, keine überstürzten Aktionen. Wer die Umgebung nicht ernst nimmt, wird sich schnell im Staub von Yharnham wiederfinden. Und dort wird man sich am Anfang häufiger finden, denn From Software hat an einigen Stellschrauben gedreht.

In der linken Hand hält man nicht länger einen Schild, sondern eine Schusswaffe, eine Pistole oder einen Flammenwerfer. Gestandene Souls-Veteranen werden häufig fluchen, wenn sie anstatt des Schildes eine Donnerbüchse hochnehmen, um Deckung zu erhalten und dann ziemlich alt aussehen. Hat man sich aber an die neue Mechanik gewöhnt, will man den die Knallbüchse nie wieder missen. Versprochen! Das Zusammenspiel von Donnerbüchse und in der linken und Axt, Hellebarde oder Peitsche in der rechten Hand sorgt für mehr Dynamik, denn die Schusswaffen machen relativ wenig Schaden. Man muss nah an den Gegner heran, um überhaupt etwas ausrichten zu können und im Endeffekt dienen die Waffen eher der Unterbrechung des Gegners und weniger der Schadenzufuhr. Hat man das richtige Timing für die verschiedenen Typen von Gegnern verinnerlicht, kann man ihnen extremen Schaden zufügen, ähnlich des Backstabbings in der vorangegangenen Spielen.

Die Peitsche ist eine sehr wirkungsvolle Waffe, wenn man gegen Gruppen kämpft
Die Peitsche ist eine sehr wirkungsvolle Waffe, wenn man gegen Gruppen kämpft

Auch wenn es sicherlich nicht bei allen Souls-Fans auf Gegenliebe stößt, aber der Verzicht auf Bögen und Armbrüste verleiht Bloodborne mehr Spieltiefe. Vergangen sind die Tage, in denen man aus dem Hinterhalt die Mobs aus sicherer Distanz mit dem Bogen ausschalten konnte. Aber keine Sorge, die Entwickler haben mitgedacht und die Gegner sind so gestaltet, dass man sie - sofern man das Spiel beherrscht - mit den verfügbaren Waffen gut bekämpfen kann.

Eine weitere Neuerung, die Bloodborne mitbringt, ist das Risk and Reward-System. Erleidet der Spieler durch einen Gegner Schaden und fügt ihm sofort danach selbst einen Hieb zu, wird die verlorene Energie wieder gutgeschrieben. Was sich zunächst plump anhört, ist eine der besten Umsetzungen, die From Software in Bloodborne implementiert hat, denn damit wird die Spannung in den Kämpfen weiter gesteigert: Man kassiert einen Treffer und steht kurz vor dem Ableben. Soll man nun zum Gegenangriff starten, oder sich vorerst zurückziehen? Rettung oder Tod liegen hier nah beieinander.

Chalice Dungeons
Nachdem ihr das Hauptspiel abgeschlossen habt, lässt Bloodborne euch auf Wunsch die sogenannten Chalice Dungeons durchqueren. Dies sind zufallsgenerierte Dungeons, die bei jedem Betreten neu erstellt werden und dem Spieler somit die Möglichkeit bieten unendlich viele Dungeons zu durchqueren.

Um diese Dungeons betreten zu können, muss man im Hauptspiel Kelche finden, die anschließend mit verschiedenen Materialien in einem Ritual gefüllt werden.

Chalice Dungeons sind vollgestopft mit Schätzen und einzigartigen Bossen. Hier hat From Software richtig Gas gegeben, denn die in den Dungeons anzutreffenden Bosse sind nicht die Bosse aus dem Hauptspiel, sondern komplett neue, die man ansonsten im Hauptspiel nicht antreffen kann.

Wer einen besonders schönen oder herausfordernden Dungeon generiert hat, kann diesen mit anderen Spielern teilen und zusammen spielen.
Insgesamt ist Bloodborne schneller als seine Vorgänger und das tut der Serie sichtlich gut. Einfacher wird das Spiel dadurch jedoch nicht. Nach wie vor muss man den Gegner ausgucken, die Bewegungsabläufe verinnerlichen und im richtigen Moment zuschlagen.

Die Spiele von From Software wurden in der Vergangenheit dafür gelobt, dass sie sich den aktuellen Trends im Spieledesign widersetzen. Bombastische Videosequenzen und actionreiche Cutscenes sucht man auch in Bloodborne vergeblich. Durch die Lücken, die das Storytelling lässt, ist der Spieler gezwungen, sich die Welt selbst zu erschließen.

Die abwechslungsreichen Gegenden runden den Gesamteindruck ab
Die abwechslungsreichen Gegenden runden den Gesamteindruck ab

Und somit setzt auch Bloodborne, ähnlich wie seine Vorgänger, darauf den Spieler in einer Welt auszusetzen, die zunächst keine Anhaltspunkte liefert. Wer erforschen möchte, welche Geheimnisse und Mysterien Yharnham bietet, muss sich auf jedes kleine Detail einlassen. Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte und ist ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg, die Geschichte zu erschliessen.

Wenn man über die Kopfsteinpflaster von Yharnham streift und seine Außengebiete wie Wälder, Vorbezirke, Friedhöfe und Schlösser erkundet, stößt man auf schaurig schöne Kreaturen, bei deren Gestaltung From Software noch einmal eine ordentliche Portion draufgepackt hat.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch das Design der Bosse. Einige der Kreaturen sehen atemberaubend gut aus und saugen den Spieler völlig in die Welt von Bloodborne ein. Die Begegnung mit Vikarin Amelia ist nur ein Beispiel für einen gut durchdachten Boss, der richtig gut aussieht und den Spieler beim ersten Aufeinandertreffen vor lauter Ehrfurcht vor dem Können der Entwickler fast die Axt aus der Hand legen lässt.

Dabei greift Bloodborne auf viele Mechanismen zurück, die bereits in den Souls-Teilen gut funktioniert haben. Wer seinen Charakter hochleveln möchte, muss nun auf Blutechos zurückgreifen und nicht mehr auf Seelen, wobei die Mechanik noch immer die gleiche ist, die Begrifflichkeiten haben sich nur geändert.

Wer ein neues Level erreichen möchte, muss im Hub diese mysteriöse Dame besuchen
Wer ein neues Level erreichen möchte, muss im Hub diese mysteriöse Dame besuchen

Die Lagerfeuer wurden durch Laternen ersetzt, die aber in Bloodborne lediglich das zurückspringen in den Traum des Jägers erlauben und nicht das direkte Wechseln der einzelnen Locations. Diese steuert man über einen Grabstein in seinem Hub an.

Und was wäre passiert, wenn ich die verunsicherte Frau nicht in die Kathedrale geschickt hätte?Eine Sache hat Bloodborne mit den Vorgängern gemein: Wer das Spiel ganz erkunden möchte, wer sich seine Welt gänzlich erschließen will, muss es mehrfach durchspielen oder sich mit einem Wiki auseinandersetzen. Es gibt unzählige Momente in denen man sich fragt, was denn nun anderes gelaufen wäre, wenn man sich anders verhalten hätte. Und was wäre passiert, wenn ich die verunsicherte Frau nicht in die Kathedrale geschickt hätte?

Wer Probleme mit einem Boss hat oder sich nicht alleine durch ein Gebiet kämpfen will, kann sich Hilfe holen. Durch das Läuten einer Glocke können andere Spieler um Hilfe gebeten werden. Während des Tests haben wir dieses Feature mehrere Male genutzt und es funktioniert ausgesprochen gut. Bereits kurz nach dem Läuten kommt ein anderer Spieler in das Gebiet und hilft. In den vergangenen 24 Spielstunden wurden wir jedoch nicht einmal von einem feindlichen Spieler invadet.

<i>Bloodborne</i> hat wunderschöne Orte voller Geheimnisse zu bieten
Bloodborne hat wunderschöne Orte voller Geheimnisse zu bieten

Diese Momente sind es, die Bloodborne lebendig machen und ihm einen ganz eigenen Charme verleihen. Insgesamt ist Bloodborne eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen Souls-Spiele und man darf gespannt sein, inwiefern From Software nachlegen kann. Die Latte liegt momentan ziemlich hoch.

Trotz aller Begeisterung muss auch bei Bloodborne der ein oder andere Abstrich gemacht werden. Denn das Spiel hat technische Tücken, die Entwickler From Software in den kommenden Tagen und Wochen hoffentlich ausmerzen wird.

Die Detailverliebtheit, die Größe der Areale und die Anzahl der Gegner haben ihren Preis, denn die Frameraten können nicht konstant bei 30 Frames gehalten werden.Die Detailverliebtheit, die Größe der Areale und die Anzahl der Gegner haben ihren Preis, denn die Frameraten können nicht konstant bei 30 Frames gehalten werden. An vielen Stellen bricht das Spiel ein und verliert deutlich an Frames. Für Souls-Veteranen ist das keine Neuigkeit, aber auf der PS4 hätte man ein etwas flüssigeres Gameplay erwarten dürfen.

Neben den zahlreichen Gegnern sind es vor allen Dingen die Ladezeiten, die dem Spieler zusetzen. Während des Tests schwankten diese nach dem Ableben des Helden zwischen 25 und 50 Sekunden. Das sorgt nicht nur für eine Menge Frust, sondern unterbricht auch den Spielfluss. In Anbetracht dieser Ladezeiten ist unverständlich, dass From Software den Spieler immer wieder erneut in den Traum des Jägers schickt, wenn man die Ortschaft wechseln möchte, denn dadurch entstehen zwei lange Ladezeiten.

Fazit

Bloodborne ist das beste Spiel, welches From Software jemals entwickelt hat. Eine beeindruckende Leistung, die sich gekonnt Anleihen in der Erblinie von Demon’s Souls und Dark Souls nimmt. Einsteiger werden zu Beginn von der Schwierigkeit geschockt sein, gestandene Souls-Veteranen werden die Änderungen lieben und schnell in ihr Herz schließen. Bloodborne ist gegenwärtig der Grund, um sich eine PS4 zu kaufen.

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