von Hendrik Stolze (Autor) am

Batman und kein Ende. Ob im Kino, in Comics oder in Videospielen, überall ist der Caped Crusader unterwegs, animiert, als Legofigur oder getarnt als Ben Affleck. Nun hat auch Telltale seinen Senf dazu gegeben und beschert uns ein Videospiel, dass eine erfreulich anderen Ansatz als der letztere größere Titel Arkham Knight hat.

Mehr Batman für die Medienwelt
Mehr Batman für die Medienwelt

Die Story ist recht früh im Bat-Universum angesiedelt. Catwoman ist noch neu in Gotham, Harvey Dents Gesicht ist noch hübsch und auch ein gewisser Oz Cobblepot hat einen kurzen Auftritt, der nichts mit Pinguinen zu tun hat. Wir bekommen jedoch nicht noch einmal die Entstehungsgeschichte des Batman aufgetischt, noch ist es in dieser ersten Episode der klassische Kampf zwischen der Fledermaus und einem seiner Superbösewichte. Tatsächlich ist die Handlung recht komplex und fokussiert sich größtenteils auf Bruce Wayne, während die Batman Persona ein Mittel zum Zweck ist, gewisse Kurzzeitziele zu erreichen. Oder anders ausgedrückt: Batman und Bruce Wayne sind in dieser Adaption eine Person, die an einem Strang zieht, und wirkt nicht so zerrissen wie in manch anderen medialen Produktionen.

Wie für ein Telltale Game üblich ist die Beziehung der Spielfigur zu allen anderen handlungstragenden Figuren in ihrer Umgebung der Fokus des Spiels, und dies passt makellos zur Vorlage. Bruce Wayne muss Freundschaften pflegen und die Hände der Reichen und Schönen schütteln, Batman muss mit Commissioner Gordon und dem Rest der Polizei umgehen und der ein oder andere Charakter muss sogar beide Facetten der Titelfigur jonglieren, als Beispiel sei hier lediglich Alfred Pennyworth genannt.
Doch es gibt noch eine weitere Entität, deren Meinung zu und Einschätzung von Wayne/Batman von wesentlicher, wenn nicht größter Bedeutung ist: Gotham City. Die Presse, die Bürger, die Stadt in ihrer Gesamtheit ist Schauplatz, Bedrohung, Damsel in Distress und Meinungsträger zugleich.
Daraus ergibt sich ein interessantes Katz und Maus Spiel mit vielen Mäusen und unterschiedlichsten Katzen.

Vicky Vale, Harvey Dent und Bruce Wayne
Vicky Vale, Harvey Dent und Bruce Wayne

Die Grafik, obwohl mit hübschen Effekten und Texturen ausgestattet, wirkt schon arg altbacken, vor allem die Bewegungs-Animationen der Menschen wirken hölzern und lebensfern. Ebenfalls störend sind die niedrigen Frameraten, die hin und wieder vorherrschen. Zwar tut das Spiel sein Möglichstes, diese zu glätten, doch bleibt es sichtbar und einschränkend für die Immersion (auf der PS4). Dies gilt allerdings nicht für die physischen Auseinandersetzungen, wenn schnell die richtige Taste gedrückt werden muss, stellt das Spiel keine unbeabsichtigten Hindernisse auf. Auch die Kampfanimationen sind deutlich hübscher als die alltäglichen, da wurde sich augenscheinlich mehr Mühe gegeben.
An dieser Stelle ist es Zeit für Telltale Games, sich weiterzuentwickeln und entweder die bestehende Grafikengine von Grund auf zu überarbeiten oder einen neuen Weg einzuschlagen.

Der Soundtrack ist unaufdringlich und passend, hält sich die meiste Zeit im Hintergrund und setzt keine wirklichen Akzente, ist dabei aber dennoch ein nennenswerter Teil der Atmosphäre. Solides Handwerk, aber kein wirkliches Highlight.

Die Kämpfe sind nur Beiwerk
Die Kämpfe sind nur Beiwerk

Das Spiel ist wenig fordernd, eine wirkliche Schwierigkeit begegnet dem Spieler nicht. Gerade in den physischen Kämpfen, wenn der Spieler die Maske und das Cape übergestriffen hat, drückt man halt die angezeigten Tasten, und wenn das hier und da mal nicht klappt, passiert auch nichts Schlimmes.
Puzzle existieren eigentlich nicht, bzw. werden diese sehr wörtlich umgesetzt, wenn man Teile zusammensuchen und anschließend zusammensetzen muss, auch dies hat keinen hohe Anspruch an die mentalen Fakultäten.
Denn dies beides sind nicht das eigentliche Spiel, sie sind lediglich die Action- bzw. Thrillerelemente eines interaktiven Films. Das eigentliche Spiel sind die Dialoge, durch die die zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflusst und umgesetzt werden. Dies ist ja nichts Neues für ein Telltale-Game.

Am Ort des Verbrechens
Am Ort des Verbrechens

Alles in allem ist Batman: The Telltale Game ein typischer Titel. Eine gute, wenn nicht hervorrragende Geschichte, die ohne große Hindernisse erzählt wird. Das wichtigste aber ist, dass der Spieler wie immer ein wichtiger Bestandteil der Story ist, in dem er auf eine bestimmte Weise handelt und entscheidet. Die deutliche Lastung auf die persönliche, ‚Bruce Wayne‘ Seite der Geschichte ist ein klarer Pluspunkt im Hinblick auf die zahlreichen, actionreichen Videospiele und Kinofilme der jüngeren Vergangenheit. Das gibt der gefühlt sechstausendsten Interpretation der Fledermaus-Geschichten ein Daseinsberechtigung und macht das Spiel sowohl für Neulinge als auch für Kenner von Batmans Welt interessant.

Die Vergangenheit lässt Bruce nicht los
Die Vergangenheit lässt Bruce nicht los

Fazit

Wer Telltale Games mag, wird auch an Batman seinen Gefallen findet. Wer klassische Batman Geschichten mag, wird auch seinen Spaß haben. Telltale hat es einmal mehr geschafft, eine gute Geschichte in eine bestehende Welt zu transportieren und die Figuren ausgezeichnet zu nutzen. Mehr als eine Geschichte ist es jedoch nicht, ein herausforderndes Gameplay existiert nicht.

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